1/06/2017

Liebe! Niemals Gewalt!

1978 erhielt Astrid Lindgren als erste Kinderbuchautorin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Damit wurde sie als eine Persönlichkeit geehrt, die „durch ihre literarische Tätigkeit in hervorragendem Maße zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat“. In ihrer im Anschluss gehaltenen Rede stand sie also vor der Aufgabe über Frieden, Menschlichkeit und über die Verständigung der Völker zu sprechen. Und genau das tat sie auch – allerdings auf ihre ganz eigene Art und Weise. Denn über Frieden zu sprechen, bedeutete für sie in erster Linie über die Kinder zu sprechen. Und nicht nur „über“ sie, sondern „für“ sie. Sie wollte ihnen eine Stimme geben und für sie eintreten.

Ihre damals gewählten Worte sind bis heute von enormer Wichtigkeit für die Rechte unserer Kinder im Speziellen und das gewaltfreie Zusammenleben in der Gesellschaft im Allgemeinen. Bisher konnte man sich ihre Rede nur in Auszügen anschauen oder als Textdatei herunterladen. Seit diesem Jahr allerdings gibt es ein kleines feines Büchlein, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um ihren Appell lebendig zu halten und weiter zu geben.

Obwohl fast vierzig Jahre vergangen sind und sich besonders in der Kindererziehung auch vieles verändert hat, sind Astrid Lindgrens Forderungen besonders heute aktueller denn je. Deswegen ist es uns auch wichtig die Aufmerksamkeit des heutigen Tages zu nutzen und dieses Buch ganz bewusst eben am Internationalen Kindertag in den EntdeckerKoffer einziehen zu lassen.

Niemals Gewalt! von Astrid Lindgren mit einem Vorwort von Dunja Hayali und einem Nachwort von Silke Weitendorf, übersetzt von Anna-Liese Kornitzky, erschienen im Friedrich Oetinger Verlag.

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Niemals Gewalt! © Friedrich Oetinger Verlag

Astrid Lindgren spricht von Frieden als etwas, das es nicht gibt. Und wolle man ihn eines Tages erreichen, so müsse man „von Grund auf neu beginnen – bei den Kindern“, so die Autorin. Und wie dieser Neuanfang auszusehen hat, das wusste sie auch ziemlich genau. Mit Liebe und Geborgenheit, aber niemals mit Gewalt. Nur wenn wir unseren Kindern mit Liebe begegnen, können aus ihnen auch Menschen werden, deren Grundhaltung durch Liebe geprägt ist. Und das wäre – so realistisch war auch sie – zumindest ein Anfang.

Gebt Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe.

 

Ein besonders berührender Teil ihrer Rede ist die kurze Erzählung über eine Mutter, die ihren Sohn mit Stockschlägen bestrafen will, durch seine Reaktion darauf die Situation aber auf einmal durch seine Augen betrachtet und so über sich selbst unendlich erschrickt. Und wie gut, dass Astrid Lindgren diese Erzählung in die sonst doch sehr klaren und direkten Worte eingewoben hat, denn so hat sie ein Bild in den Köpfen der Menschen erschaffen, das ihr Appell allein nicht zustande gebracht hätte. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf einen Kurzfilm aufmerksam machen, der genau diese Geschichte darzustellen versucht und somit Lindgrens Werte und Forderungen weiterträgt – in unsere heutige Gesellschaft, in der Gewalt viele verschiedene Gesichter hat. Ein sehr wichtiger Beitrag.

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Niemals Gewalt! im Kreise diverser Lindgren-Titel © Friedrich Oetinger Verlag

Auch Dunja Hayali geht in ihrem Vorwort auf diese Geschichte ein und erinnert daran, dass Lindgrens Rede einen Meilenstein für die Kinderrechte darstellt. Ihrem Text ist anzumerken, wie sehr sie das Erbe der Autorin wertschätzt und er stellt als Einstieg und Hinführung zu Lindgrens Rede einen sehr authentischen Bezug zu unserer heutigen Zeit her. Abgerundet ist das Büchlein mit dem Nachwort der Verlegerin Silke Weitendorf und gibt all denjenigen, die die Autorin Astrid Lindgren nur von ihren Kinderbüchern her kennen, einen Einblick in ihr Leben und ihr Wesen, was die Rede eindeutig noch besser verständlich macht.

Wir möchten dieses Büchlein an dieser Stelle von ganzem Herzen empfehlen, denn wir sind überzeugt davon, dass Astrid Lindgren vor 39 Jahren einen Weg aufgezeigt hat, der tatsächlich zu mehr Frieden und Nächstenliebe in unserer Welt führen könnte. Umso mehr Menschen sich diesen zu Herzen nehmen und den Kindern eine Kindheit in Liebe und Geborgenheit schenken, umso näher kommen wir dem Traum vom Frieden. Und auch wenn uns vieles gerade glauben lässt, dass wir davon sehr weit entfernt sind, so müssen wir dennoch daran festhalten. Astrid Lindgren hat das ein Leben lang getan und stets an das Gute geglaubt. Wie schön ist es da, dass der Verlag für den Umschlag des Buches die Farbe Grün gewählt hat – die Farbe der Hoffnung.

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14/04/2017

Das Ei – Wunderwerk der Natur

Die Bilderbuchkünstlerin Britta Teckentrup hat ihr neuestes Bildersachbuch einem Wunderding gewidmet. Dem Wunderding, aus dem alles Leben ist – dem Ei. Und weil es gerade so schön passt, möchten wir es in Anbetracht der bevorstehenden Osterfeiertage gern hier vorstellen. Ein Buch nur für Ostern ist es aber keinesfalls. Es ist Sachbuch und Kunstbuch in einem – nicht nur für Kinder, aber für sie in besonderem Maße. Es ist ein Familienhandbuch – ein Sammlerstück und Nachschlagewerk. Es ist wunderbar.

Das Ei von Britta Teckentrup und übersetzt aus dem Englischen von Kathrin Köller, erschienen im Prestel Verlag.

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Das Ei © Prestel Verlag, Illustrationen: Britta Teckentrup

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13/03/2017

Große Gefühle im Wandel der Jahreszeiten

Es gibt Bücher, die ziehen einen auf den ersten Blick in ihren Bann und versprechen Literaturgenuss auf höchstem Niveau. Wenn sie diesem Versprechen beim Öffnen und Lesen dann auch gerecht werden, dann sind es wahre Bücherschätze. Ein solches und mehr ist Stian Holes jüngstes Bilderbuch um die Sehnsucht nach Freundschaft und das Aufblühen der ersten Liebe. Uns ist es schon vor einer Weile begegnet und wir haben nur noch auf die richtige (Jahres-)Zeit gewartet, um es hier vorzustellen. Nun ist sie gekommen – die Zeit, in der sich der Winter in den Frühling wandelt.

Morkels Alphabet von Stian Hole und übersetzt von Ina Kronenberger, erschienen im Carl Hanser Verlag.

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Morkels Alphabet © Carl Hanser Verlag, Illustrationen: Stian Hole

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13/10/2015

Ein Sammelsurium der Illustrationskunst

Bilder lesen – Worte finden hieß es für uns im September in Troisdorf. Die Stiftung Illustration hatte zum achten – mittlerweile jährlich stattfindenden – Illustrations-Workshop ins Museum Burg Wissem eingeladen und feierte gleichzeitig zehnjähriges Stiftungsbestehen.

Es ging um die Bedeutung der Bilder in Büchern und die Wertschätzung der Illustrationskunst generell. Weil uns diese Themen auch sehr am Herzen liegen, waren wir also dabei und haben viel erfahren über gute Bilderbücher für Klein und Groß, Bildtradition in Deutschland und anderswo, Bildintelligenz und die untrennbare Wechselwirkung von Bild und Text. Lange haben die Vorträge und Diskussionen noch nachgewirkt und bei uns das Bedürfnis geweckt, noch mehr als bisher auf den Bildteil unserer LeseEntdeckungen einzugehen und diesem mehr Raum in den einzelnen Beiträgen zu geben.

Beginnen möchten wir damit auch gleich in unserer heutigen Buchvorstellung, die sogar in direktem Zusammenhang mit dem Workshop steht – bei der man aber zugegebenermaßen am Bild ohnehin nicht vorbei kommen würde. Das Beste von Allem ist ein Bilderbuch der besonderen Art – besonders dick und besonders vielfältig. Ein buntes Potpourri der aktuellen Illustrationskunst in Deutschland – ins Leben gerufen von den beiden Illustratorinnen Jutta Bauer und Katja Spitzer.

Einige der Originale aus dem Buch konnten wir im Rahmen des Workshops bereits in der gleichnamigen Ausstellung bestaunen, die einen Monat im Bilderbuchmuseum zu sehen war. Diese Woche nun werden sie auf der Frankfurter Buchmesse zugunsten der Stiftung Illustration und der einzelnen Künstler versteigert.

Das Beste von Allem herausgegeben von Jutta Bauer und Katja Spitzer, erschienen im Aladin Verlag.

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Das Beste von Allem © Aladin Verlag, Illustrationen: Liste aller mitwirkenden Illustratoren am Ende des Beitrags

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24/02/2015

Vom Reichtum der Sprache – Andreas Steinhöfel in Dresden

Schon im November letzten Jahres hatte ich das Glück einem Vortrag von Andreas Steinhöfel lauschen zu können. Im Rahmen der Tagung „Literaturkritik unter der Lupe“ gewährte er unter dem Titel „Warme Herzen – eine Spurensuche“ einen Einblick in sein Schaffen, las aus unveröffentlichten Erzählungen und berichtete vom Entstehen seiner „Sonnenkinder“. Tief berührt war ich schon da von seinen besonderen Ausführungen.

Letzten Sonntag war er nun zu Gast in unserem schönen Dresdner Schauspielhaus. Dort hielt er im Rahmen der traditionsreichen Dresdner Reden ein Plädoyer für das Lesen und sprach über Entwicklungen unserer Sprach- und Lernkultur.

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Ein Sonntag Vormittag vor dem Schauspielhaus in Dresden.

Eine Lanze fürs Buch wolle er brechen – so begann Andreas Steinhöfel seine Rede vor dem vollbesetzten Saal. Doch anstelle daraufhin das Lesen und die Buchkultur auf einen hohen Sockel zu heben, sprach er erst einmal von den Anstrengungen, die das Lesen eben auch mit sich bringt und zählte Bewegründe auf, warum manche Menschen ihr Leben lang selten oder gar nicht zum Buch greifen und warum das für sie dann aber doch der richtige Weg sein kann. So viel Verständnis für etwas, was einem Autor eigentlich völlig fremd sein müsste, lässt erstaunen und macht ihn sehr sympathisch.

Und dann beginnt er damit die Lanze zu brechen – für das Buch und das textbasierte Lesen. Was ja im übertragenen Sinne nichts anderes bedeutet, als dem gedruckten Wort und der Literatur beizustehen und sich dafür einzusetzen – aber mit seinen Worten ist es dann eben doch viel mehr als das.

Lesen hat auch immer mit Emotionen zu tun und kann und sollte nie wirklich losgelöst davon passieren. Eine Tatsache, die wir vor allem unseren Kindern viel mehr ermöglichen – ja sogar zugestehen – sollten. Gelesenes verfestige sich viel besser, wenn es emotional begleitet wird, so Andreas Steinhöfel. Eine wichtige Erkenntnis, die Einzug in sämtliche Schulen unseres Landes halten sollte.

„Lesen bedeutet auch immer Spracherwerb.“

 

Unsere Sprache ist ein großer Reichtum, so Steinhöfel weiter. Ein Reichtum, den wir auch als solchen erkennen sollten – auch wenn wir ihn uns erst erarbeiten müssen. Das Gelesene überdenken – innehalten – wieder zurückblättern und dann erst verstehen. Ein Buch sei nie schnell und stehe somit im Gegensatz zur multimedialen Wissensvermittlung, die uns keine oder nur wenige Pausen lässt. Aber genau diese Pausen brauche es, um das Gelesene zu behalten und einen wirklichen Lerneffekt zu erzielen. Steinhöfel spricht von „Konzentration statt Zerstreuung“ und davon, dass Lernen anstrengend sein muss, um nachhaltig zu sein.

„Wer sich nicht streckt, wird nicht erwachsen.“

 

Schnell vergangen ist die knappe Stunde seiner Rede und hat in vielerlei Hinsicht bereichert. Mitgenommen habe ich nicht nur zwei signierte Exemplare für den EntdeckerKoffer, sondern außerdem eine neue Sichtweise auf Literatur für all jene, die noch nicht erwachsen sind und sich noch strecken müssen. Danke Herr Steinhöfel!

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Für die LeseEntdecker signiert: „Glücksstadt“ und „Anders“.

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11/11/2014

Zu Besuch im Buchsegler

GesprächUnser Hauptstadtbesuch im Sommer hat uns auch zum schönen Florakiez in Pankow geführt. Denn wir wussten, in der Florastraße 88/89 trifft man immer auf wahre LeseEntdecker – kleine wie auch große. Dort betreibt Wiebke Schleser den Kinderbuchladen Buchsegler. Ein Kinderbuchladen, von dem wir schon so viel gehört oder gelesen hatten, dass ein Besuch eigentlich längst überfällig war. Berliner Kinderbuchhandlung des Jahres 2014, avj – Kinderbuchhandlungspreis 2014, Baustellenlesung, Illustrations-Ausstellung und Lesecrew – alles Stichwörter, die uns haben aufhorchen lassen.

Nun war es also soweit und wir standen vor dem kleinen Lädchen mit der offenen Tür und freuten uns auf unsere Begegnung mit Wiebke, die uns schon in ihren E-Mails so sympathisch war. Ein Interview hatten wir vereinbart – stattgefunden hat dann aber ein sehr herzliches und offenes Gespräch, an das wir uns noch lange erinnern werden. Im Folgenden haben wir es nun für euch aufgeschrieben, damit auch ihr mehr über diesen besonderen Ort und die Frau dahinter erfahren könnt – eine echte LeseEntdeckerin.

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