2/04/2018

Im Buch ist das Kleine groß – Internationaler Kinderbuchtag 2018

Es gibt in der diesjährigen Botschaft zum Internationalen Kinderbuchtag jede Menge Passagen, die uns aus dem Herzen sprechen. Unter dem Motto „Im Buch ist das Kleine groß“  spricht die lettische Schriftstellerin Inese Zandere beispielsweise davon, wie Geschichten, Märchen oder Gedichte ein instinktives Bewusstsein dafür schaffen, dass Ordnung in der Welt möglich ist und dass jeder seinen bestimmten Platz in ihr hat. Die Wirkung des Buchs beschreibt sie als ein wohlgeordnetes Ganzes, in dem das Große sich im Kleinen zeigt.

Für uns ist das ein sehr wichtiger Gedankengang, der einmal mehr zeigt, wie wichtig Bücher für Kinder sind. Denn sie suchen noch nach einem Platz für sich, ihr Tun und ihr Denken auf dieser Welt – das Einordnen und Zurechtfinden passiert erst Stück für Stück. Mit Büchern an ihrer Seite gehen sie diesen Weg allerdings mit einem größeren Gefühl an Halt und Sicherheit.

Ein Kinderbuch hat die unfassbare Macht,

junge Menschen in ihrem Willen

und ihrer Fähigkeit zu leben zu bestärken.

Es fördert ihren Lebensmut.

Inese Zandere
(Übersetzung Carolin Farbmacher)

 

Internationaler Kinderbuchtag 2018

In Verbindung mit der bezaubernden Illustration des Künstlers Reinis Pētersons ist es Lettland in jedem Falle gelungen, die Bedeutung des heutigen Tages in Wort und Bild entsprechend darzustellen.

Ein Kinderbuch symbolisiert Respekt

für die Größe des Kleinen.

Inese Zandere
(Übersetzung Carolin Farbmacher)

Diese in unseren Augen bedeutendste Aussage der lettischen Botschaft findet sich sehr schön auch in den so mutigen und selbstbewusst gezeichneten Kindern der Illustration wieder. Und auch die folgenden Zeilen von Inese Zandere zeigen noch einmal vollkommen, welchen Wert Bücher für Kinder haben sollten.

In einem Buch ist das Kleine immer groß – und das sofort,

nicht erst, wenn man erwachsen ist.

Ein Buch ist etwas Geheimnisvolles,

das Unerwartetes oder Unerreichbares zugänglich macht.

Das, was Leser einer bestimmten Altersgruppe

noch nicht rational erfassen können,

hinterlässt Spuren in ihrem Bewusstsein und wirkt weiter,

auch wenn es noch nicht völlig verstanden wird.

 

Ein Bilderbuch kann auch für Erwachsene

eine Schatztruhe an Weisheit und Kultur sein,

genauso wie Kinder ein Buch lesen können,

das für Erwachsene bestimmt ist,

und darin ihre eigene Geschichte, einen Hinweis

auf ihr kommendes Leben, finden.

Inese Zandere
(Übersetzung Carolin Farbmacher)

 

Wunderbare und wichtige Worte, die hier auf der Seite auf keinen Fall fehlen sollen. Der gesamte Text der Autorin ist hier auch noch einmal komplett nachzulesen. Wir wünschen allen kleinen und großen LeseEntdeckern einen schönen Kinderbuchtag – genießt ihn und tragt die Botschaft weiter!

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30/03/2018

Frohe OStern

Wenn ein kleiner LeseEntdecker beim Lesen kurz inne hält und bemerkt, dass in „Ostern“ ja das Wort „Stern“ vorkomme, aufschaut und uns anstrahlt – dann wissen wir, hier beginnt gerade jemand Spaß an der Sprache zu haben.

Dann strahlen wir zurück und erkennen ganz deutlich, welchen Wert unser Tun hier bei den LeseEntdeckern und das vieler anderer Leseförderer und Literaturvermittler, Autoren, Illustratoren, Buchhändler und Verleger hat. Der Weg, den wir hier zukünftig weiter gehen möchten, erscheint uns dann ganz und gar klar.

In diesem Sinne wünschen wir allen schöne OStern!

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1/06/2017

Liebe! Niemals Gewalt!

1978 erhielt Astrid Lindgren als erste Kinderbuchautorin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Damit wurde sie als eine Persönlichkeit geehrt, die „durch ihre literarische Tätigkeit in hervorragendem Maße zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat“. In ihrer im Anschluss gehaltenen Rede stand sie also vor der Aufgabe über Frieden, Menschlichkeit und über die Verständigung der Völker zu sprechen. Und genau das tat sie auch – allerdings auf ihre ganz eigene Art und Weise. Denn über Frieden zu sprechen, bedeutete für sie in erster Linie über die Kinder zu sprechen. Und nicht nur „über“ sie, sondern „für“ sie. Sie wollte ihnen eine Stimme geben und für sie eintreten.

Ihre damals gewählten Worte sind bis heute von enormer Wichtigkeit für die Rechte unserer Kinder im Speziellen und das gewaltfreie Zusammenleben in der Gesellschaft im Allgemeinen. Bisher konnte man sich ihre Rede nur in Auszügen anschauen oder als Textdatei herunterladen. Seit diesem Jahr allerdings gibt es ein kleines feines Büchlein, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um ihren Appell lebendig zu halten und weiter zu geben.

Obwohl fast vierzig Jahre vergangen sind und sich besonders in der Kindererziehung auch vieles verändert hat, sind Astrid Lindgrens Forderungen besonders heute aktueller denn je. Deswegen ist es uns auch wichtig die Aufmerksamkeit des heutigen Tages zu nutzen und dieses Buch ganz bewusst eben am Internationalen Kindertag in den EntdeckerKoffer einziehen zu lassen.

Niemals Gewalt! von Astrid Lindgren mit einem Vorwort von Dunja Hayali und einem Nachwort von Silke Weitendorf, übersetzt von Anna-Liese Kornitzky, erschienen im Friedrich Oetinger Verlag.

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Niemals Gewalt! © Friedrich Oetinger Verlag

Astrid Lindgren spricht von Frieden als etwas, das es nicht gibt. Und wolle man ihn eines Tages erreichen, so müsse man „von Grund auf neu beginnen – bei den Kindern“, so die Autorin. Und wie dieser Neuanfang auszusehen hat, das wusste sie auch ziemlich genau. Mit Liebe und Geborgenheit, aber niemals mit Gewalt. Nur wenn wir unseren Kindern mit Liebe begegnen, können aus ihnen auch Menschen werden, deren Grundhaltung durch Liebe geprägt ist. Und das wäre – so realistisch war auch sie – zumindest ein Anfang.

Gebt Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe.

 

Ein besonders berührender Teil ihrer Rede ist die kurze Erzählung über eine Mutter, die ihren Sohn mit Stockschlägen bestrafen will, durch seine Reaktion darauf die Situation aber auf einmal durch seine Augen betrachtet und so über sich selbst unendlich erschrickt. Und wie gut, dass Astrid Lindgren diese Erzählung in die sonst doch sehr klaren und direkten Worte eingewoben hat, denn so hat sie ein Bild in den Köpfen der Menschen erschaffen, das ihr Appell allein nicht zustande gebracht hätte. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf einen Kurzfilm aufmerksam machen, der genau diese Geschichte darzustellen versucht und somit Lindgrens Werte und Forderungen weiterträgt – in unsere heutige Gesellschaft, in der Gewalt viele verschiedene Gesichter hat. Ein sehr wichtiger Beitrag.

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Niemals Gewalt! im Kreise diverser Lindgren-Titel © Friedrich Oetinger Verlag

Auch Dunja Hayali geht in ihrem Vorwort auf diese Geschichte ein und erinnert daran, dass Lindgrens Rede einen Meilenstein für die Kinderrechte darstellt. Ihrem Text ist anzumerken, wie sehr sie das Erbe der Autorin wertschätzt und er stellt als Einstieg und Hinführung zu Lindgrens Rede einen sehr authentischen Bezug zu unserer heutigen Zeit her. Abgerundet ist das Büchlein mit dem Nachwort der Verlegerin Silke Weitendorf und gibt all denjenigen, die die Autorin Astrid Lindgren nur von ihren Kinderbüchern her kennen, einen Einblick in ihr Leben und ihr Wesen, was die Rede eindeutig noch besser verständlich macht.

Wir möchten dieses Büchlein an dieser Stelle von ganzem Herzen empfehlen, denn wir sind überzeugt davon, dass Astrid Lindgren vor 39 Jahren einen Weg aufgezeigt hat, der tatsächlich zu mehr Frieden und Nächstenliebe in unserer Welt führen könnte. Umso mehr Menschen sich diesen zu Herzen nehmen und den Kindern eine Kindheit in Liebe und Geborgenheit schenken, umso näher kommen wir dem Traum vom Frieden. Und auch wenn uns vieles gerade glauben lässt, dass wir davon sehr weit entfernt sind, so müssen wir dennoch daran festhalten. Astrid Lindgren hat das ein Leben lang getan und stets an das Gute geglaubt. Wie schön ist es da, dass der Verlag für den Umschlag des Buches die Farbe Grün gewählt hat – die Farbe der Hoffnung.

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24/02/2015

Vom Reichtum der Sprache – Andreas Steinhöfel in Dresden

Schon im November letzten Jahres hatte ich das Glück einem Vortrag von Andreas Steinhöfel lauschen zu können. Im Rahmen der Tagung „Literaturkritik unter der Lupe“ gewährte er unter dem Titel „Warme Herzen – eine Spurensuche“ einen Einblick in sein Schaffen, las aus unveröffentlichten Erzählungen und berichtete vom Entstehen seiner „Sonnenkinder“. Tief berührt war ich schon da von seinen besonderen Ausführungen.

Letzten Sonntag war er nun zu Gast in unserem schönen Dresdner Schauspielhaus. Dort hielt er im Rahmen der traditionsreichen Dresdner Reden ein Plädoyer für das Lesen und sprach über Entwicklungen unserer Sprach- und Lernkultur.

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Ein Sonntag Vormittag vor dem Schauspielhaus in Dresden.

Eine Lanze fürs Buch wolle er brechen – so begann Andreas Steinhöfel seine Rede vor dem vollbesetzten Saal. Doch anstelle daraufhin das Lesen und die Buchkultur auf einen hohen Sockel zu heben, sprach er erst einmal von den Anstrengungen, die das Lesen eben auch mit sich bringt und zählte Bewegründe auf, warum manche Menschen ihr Leben lang selten oder gar nicht zum Buch greifen und warum das für sie dann aber doch der richtige Weg sein kann. So viel Verständnis für etwas, was einem Autor eigentlich völlig fremd sein müsste, lässt erstaunen und macht ihn sehr sympathisch.

Und dann beginnt er damit die Lanze zu brechen – für das Buch und das textbasierte Lesen. Was ja im übertragenen Sinne nichts anderes bedeutet, als dem gedruckten Wort und der Literatur beizustehen und sich dafür einzusetzen – aber mit seinen Worten ist es dann eben doch viel mehr als das.

Lesen hat auch immer mit Emotionen zu tun und kann und sollte nie wirklich losgelöst davon passieren. Eine Tatsache, die wir vor allem unseren Kindern viel mehr ermöglichen – ja sogar zugestehen – sollten. Gelesenes verfestige sich viel besser, wenn es emotional begleitet wird, so Andreas Steinhöfel. Eine wichtige Erkenntnis, die Einzug in sämtliche Schulen unseres Landes halten sollte.

„Lesen bedeutet auch immer Spracherwerb.“

 

Unsere Sprache ist ein großer Reichtum, so Steinhöfel weiter. Ein Reichtum, den wir auch als solchen erkennen sollten – auch wenn wir ihn uns erst erarbeiten müssen. Das Gelesene überdenken – innehalten – wieder zurückblättern und dann erst verstehen. Ein Buch sei nie schnell und stehe somit im Gegensatz zur multimedialen Wissensvermittlung, die uns keine oder nur wenige Pausen lässt. Aber genau diese Pausen brauche es, um das Gelesene zu behalten und einen wirklichen Lerneffekt zu erzielen. Steinhöfel spricht von „Konzentration statt Zerstreuung“ und davon, dass Lernen anstrengend sein muss, um nachhaltig zu sein.

„Wer sich nicht streckt, wird nicht erwachsen.“

 

Schnell vergangen ist die knappe Stunde seiner Rede und hat in vielerlei Hinsicht bereichert. Mitgenommen habe ich nicht nur zwei signierte Exemplare für den EntdeckerKoffer, sondern außerdem eine neue Sichtweise auf Literatur für all jene, die noch nicht erwachsen sind und sich noch strecken müssen. Danke Herr Steinhöfel!

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Für die LeseEntdecker signiert: „Glücksstadt“ und „Anders“.

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17/12/2013

Köfferchen #17

Adventskalender#17Im heutigen Köfferchen haben wir noch einmal ein Zitat versteckt. Diesmal aus der Weihnachtserzählung Bald ist Weihnachten von Astrid Lindgren enthalten in dem wunderbaren Sammelband Pelle zieht aus und andere Weihnachtsgeschichten. Lisa von den Kindern aus Bullerbü erzählt uns darin von den letzten Tagen vor Weihnachten. Die Stelle, an der sie so schwärmerisch von neuen Büchern erzählt, gefällt uns besonders gut. Treffender kann man die Freude auf ein neues Buch wohl kaum beschreiben.

Fräulein Lundgren hatte nach Stockholm geschrieben und Märchenbücher für uns bestellt. […] Und gerade an unserem letzten Schultag hatte Fräulein Lundgren die Bücher bekommen. Sie ging herum und verteilte sie. Ich konnte es fast nicht erwarten, bis ich meine bekam. […]

Während wir gingen, holte Britta ihr Märchenbuch hervor und roch daran. Und dann rochen wir alle daran. Neue Bücher riechen so gut – man kann am Geruch förmlich merken, wie schön es sein wird, sie zu lesen. (Astrid Lindgren: Bald ist Weihnachten aus Pelle zeiht aus und andere Weihnachtsgeschichten erschienen im Friedrich Oetinger Verlag)

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11/12/2013

Köfferchen #11

Adventskalender#11Unser AdventsKöfferchen mit der Nummer 11 möchten wir heute einem wirklichen Klassiker unter den Weihnachtsbüchern widmen. Jedes Jahr sind wir aufs Neue von den Worten berührt, mit denen Astrid Lindgren diese Geschichte erzählt hat. So einfach und klar und dennoch so besonders. Wir finden die schönste Nacherzählung der Weihnachtsgeschichte.

Dann senkte sich die Nacht still über den Stall und über alle, die darin waren.
Als die Nacht aber am dunkelsten war, da erklang in der Stille der erste Schrei eines neugeborenen Kindes.
Und zur selben Stunde flammten am Himmel alle Sterne auf. Ein Stern war größer und heller als die übrigen.
Genau über dem Stall stand er und leuchtete mit klarem Schein.
(Astrid Lindgren: Weihnachten im Stall erschienen im Friedrich Oetinger Verlag)

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