24/02/2015

Vom Reichtum der Sprache – Andreas Steinhöfel in Dresden

Schon im November letzten Jahres hatte ich das Glück einem Vortrag von Andreas Steinhöfel lauschen zu können. Im Rahmen der Tagung „Literaturkritik unter der Lupe“ gewährte er unter dem Titel „Warme Herzen – eine Spurensuche“ einen Einblick in sein Schaffen, las aus unveröffentlichten Erzählungen und berichtete vom Entstehen seiner „Sonnenkinder“. Tief berührt war ich schon da von seinen besonderen Ausführungen.

Letzten Sonntag war er nun zu Gast in unserem schönen Dresdner Schauspielhaus. Dort hielt er im Rahmen der traditionsreichen Dresdner Reden ein Plädoyer für das Lesen und sprach über Entwicklungen unserer Sprach- und Lernkultur.

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Ein Sonntag Vormittag vor dem Schauspielhaus in Dresden.

Eine Lanze fürs Buch wolle er brechen – so begann Andreas Steinhöfel seine Rede vor dem vollbesetzten Saal. Doch anstelle daraufhin das Lesen und die Buchkultur auf einen hohen Sockel zu heben, sprach er erst einmal von den Anstrengungen, die das Lesen eben auch mit sich bringt und zählte Bewegründe auf, warum manche Menschen ihr Leben lang selten oder gar nicht zum Buch greifen und warum das für sie dann aber doch der richtige Weg sein kann. So viel Verständnis für etwas, was einem Autor eigentlich völlig fremd sein müsste, lässt erstaunen und macht ihn sehr sympathisch.

Und dann beginnt er damit die Lanze zu brechen – für das Buch und das textbasierte Lesen. Was ja im übertragenen Sinne nichts anderes bedeutet, als dem gedruckten Wort und der Literatur beizustehen und sich dafür einzusetzen – aber mit seinen Worten ist es dann eben doch viel mehr als das.

Lesen hat auch immer mit Emotionen zu tun und kann und sollte nie wirklich losgelöst davon passieren. Eine Tatsache, die wir vor allem unseren Kindern viel mehr ermöglichen – ja sogar zugestehen – sollten. Gelesenes verfestige sich viel besser, wenn es emotional begleitet wird, so Andreas Steinhöfel. Eine wichtige Erkenntnis, die Einzug in sämtliche Schulen unseres Landes halten sollte.

„Lesen bedeutet auch immer Spracherwerb.“

 

Unsere Sprache ist ein großer Reichtum, so Steinhöfel weiter. Ein Reichtum, den wir auch als solchen erkennen sollten – auch wenn wir ihn uns erst erarbeiten müssen. Das Gelesene überdenken – innehalten – wieder zurückblättern und dann erst verstehen. Ein Buch sei nie schnell und stehe somit im Gegensatz zur multimedialen Wissensvermittlung, die uns keine oder nur wenige Pausen lässt. Aber genau diese Pausen brauche es, um das Gelesene zu behalten und einen wirklichen Lerneffekt zu erzielen. Steinhöfel spricht von „Konzentration statt Zerstreuung“ und davon, dass Lernen anstrengend sein muss, um nachhaltig zu sein.

„Wer sich nicht streckt, wird nicht erwachsen.“

 

Schnell vergangen ist die knappe Stunde seiner Rede und hat in vielerlei Hinsicht bereichert. Mitgenommen habe ich nicht nur zwei signierte Exemplare für den EntdeckerKoffer, sondern außerdem eine neue Sichtweise auf Literatur für all jene, die noch nicht erwachsen sind und sich noch strecken müssen. Danke Herr Steinhöfel!

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Für die LeseEntdecker signiert: „Glücksstadt“ und „Anders“.

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17/12/2013

Köfferchen #17

Adventskalender#17Im heutigen Köfferchen haben wir noch einmal ein Zitat versteckt. Diesmal aus der Weihnachtserzählung Bald ist Weihnachten von Astrid Lindgren enthalten in dem wunderbaren Sammelband Pelle zieht aus und andere Weihnachtsgeschichten. Lisa von den Kindern aus Bullerbü erzählt uns darin von den letzten Tagen vor Weihnachten. Die Stelle, an der sie so schwärmerisch von neuen Büchern erzählt, gefällt uns besonders gut. Treffender kann man die Freude auf ein neues Buch wohl kaum beschreiben.

Fräulein Lundgren hatte nach Stockholm geschrieben und Märchenbücher für uns bestellt. […] Und gerade an unserem letzten Schultag hatte Fräulein Lundgren die Bücher bekommen. Sie ging herum und verteilte sie. Ich konnte es fast nicht erwarten, bis ich meine bekam. […]

Während wir gingen, holte Britta ihr Märchenbuch hervor und roch daran. Und dann rochen wir alle daran. Neue Bücher riechen so gut – man kann am Geruch förmlich merken, wie schön es sein wird, sie zu lesen. (Astrid Lindgren: Bald ist Weihnachten aus Pelle zeiht aus und andere Weihnachtsgeschichten erschienen im Friedrich Oetinger Verlag)

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11/12/2013

Köfferchen #11

Adventskalender#11Unser AdventsKöfferchen mit der Nummer 11 möchten wir heute einem wirklichen Klassiker unter den Weihnachtsbüchern widmen. Jedes Jahr sind wir aufs Neue von den Worten berührt, mit denen Astrid Lindgren diese Geschichte erzählt hat. So einfach und klar und dennoch so besonders. Wir finden die schönste Nacherzählung der Weihnachtsgeschichte.

Dann senkte sich die Nacht still über den Stall und über alle, die darin waren.
Als die Nacht aber am dunkelsten war, da erklang in der Stille der erste Schrei eines neugeborenen Kindes.
Und zur selben Stunde flammten am Himmel alle Sterne auf. Ein Stern war größer und heller als die übrigen.
Genau über dem Stall stand er und leuchtete mit klarem Schein.
(Astrid Lindgren: Weihnachten im Stall erschienen im Friedrich Oetinger Verlag)

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7/12/2013

Köfferchen #7

Adventskalender#7Im heutigen AdventsKöfferchen verstecken sich wieder einmal ein paar schöne Worte. Zitiert aus einem wunderbaren Jugendbuch, das in besonderer Weise für die Liebe zu Büchern steht.

„Pack den Proviant ein und nimm dir genug zum Lesen mit!“, rief Mo aus dem Flur. Als ob sie das nicht immer tat. Vor acht Jahren schon hatte er ihr eine Kiste für ihre Lieblingsbücher gebaut, für all ihre Reisen, kurze und lange, weite und nicht so weite. „Es tut gut, an fremden Orten seine Bücher dabeizuhaben“, sagte Mo immer. Er selbst nahm auch immer mindestens ein Dutzend mit.
[…]

„Wenn du ein Buch auf eine Reise mitnimmst“, hatte Mo gesagt, als er ihr das erste in die Kiste gelegt hatte, „dann geschieht etwas Seltsames: Das Buch wird anfangen, deine Erinnerungen zu sammeln. Du wirst es später nur aufschlagen müssen und schon wirst du wieder dort sein, wo du zuerst darin gelesen hast. Schon mit den ersten Wörtern wird alles zurückkommen: die Bilder, die Gerüche, das Eis, das du beim Lesen gegessen hast … Glaub mir, Bücher sind wie Fliegenpapier. An nichts haften Erinnerungen so gut wie an bedruckten Seiten.“
(Cornelia Funke: Tintenherz erschienen im Cecilie Dressler Verlag Hamburg)

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1/12/2013

Der LeseEntdecker Adventskalender

Ganz nach dem Motto „Vorfreude ist doch die schönste Freude“ startet heute der LeseEntdecker Adventskalender. Er ist gefüllt mit kleinen LeseEntdeckungen und soll allen kleinen und großen LeseEntdeckern die Vorweihnachtszeit versüßen. Jeden Tag gibt es ein kleines Köfferchen zu öffnen. Heute nun also die #1. Wir beginnen mit der Kategorie Zitiert.

Adventskalender

„In Stockholm gibt es doch keine Wichtel“, sagte Gunilla zweifelnd. „Ich glaube, ihr habt keine Ahnung, was es alles in Stockholm gibt“, sagte Kuckuck Lustig. „Ihr haltet eure Augen und Ohren nicht offen, daran liegt es. Sonst würdet ihr an den Frühlingsabenden die Elfen im Königsgarten tanzen sehen und hören, wie die Wichtel jetzt vor Weihnachten unten in der Altstadt in ihren Werkstätten arbeiten.“
(Astrid Lindgren: Kuckuck Lustig aus: Astrid Lindgrens Märchen erschienen im Oetinger Verlag Hamburg)

Eine wunderbar amüsante Erzählung für die Vorweihnachtszeit – sehr schön zum Vorlesen.

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