2/04/2019

Bücher helfen gegen Eile – Internationaler Kinderbuchtag 2019

Eigentlich sind Kinder ja Meister in Sachen Langsamkeit. Hier ein Käfer, da ein Stein – dort ein Flugzeug am Himmel und immer wieder die Frage nach dem Warum? – dem Wieso? – dem Wohin? Aber die Welt um sie herum ist schon längst nicht mehr langsam. Sie ist schnell – mitunter viel zu schnell. Doch da sie auch Meister darin sind, sich anzupassen, laufen sie eben auch geradewegs durch unsere hektische und reizüberströmte Welt – langsamen Schrittes zwar, aber zuversichtlich. Wachsen in ihr auf und verändern ihr Tempo, ihre Achtsamkeit und ihre Hingabe beinahe unbemerkt – passen sich an. Nicht immer – aber immer wieder.

Das Tempo unserer Gesellschaft können wir nicht einfach so verlangsamen, aber wir können versuchen, ihnen und uns immer wieder bewusst Ruheoasen zu schaffen. Momente, Tage oder gar ganze Zeitspannen, in denen wir entschleunigen und achtsamer leben.

Fängt man bei den Momenten an, so liegt nichts näher, als gemeinsam ein Buch aufzuschlagen und in eine andere Welt einzutauchen. In eine Welt, die viel langsamer ist und die auch uns für den Moment ausbremst. Die uns Inne halten lässt und unsere volle Konzentration beansprucht. Texte, Bilder und Materialien wollen gesehen, berührt und verinnerlicht werden – dies mit Hast und Eile zu tun, würde keinen Sinn machen.

Und genau darum geht es auch in der diesjährigen Botschaft zum Internationalen Kinderbuchtag, die dieses Mal aus Litauen kommt und uns vor Augen hält, wie wertvoll Bücher doch in unserer ruhelosen Welt sind und welch großen Wert ein aufgeschlagenes Buch in Kinderhänden doch hat.

Geschrieben und illustriert hat die Botschaft Kęstutis Kasparavičius – ein sehr bedeutender Schriftsteller und Illustrator des Landes. In seinen Überlegungen plädiert er für mehr Lesemomente und somit mehr Ruhemomente. Er lädt dazu ein, mehr Bücher zur Hand zu nehmen, sich hinzusetzen und aufmerksam zu sein. Denn in Büchern, so der Autor, geschehen die Dinge ruhig und in klar geregelter Reihenfolge.

Books help us not to rush,
books teach us to notice things,
and books invite us or even make us
sit down for a while.

Kęstutis Kasparavičius
(Übersetzung Daina Valentinavičienė)

Und er geht noch weiter. Nicht nur wir lesen die Bücher, nein natürlich lesen auch die Bücher uns. Vor allem lesen sie in unseren Augen, während wir in ihnen lesen. Ein wunderbar fantasievoller Gedanke, dem Kęstutis Kasparavičius in seiner Illustration den entsprechenden Raum gibt und der hier auf der Seite einfach auch nicht fehlen soll.

And haven’t you experienced another miracle –
that when you read a book,
the book reads you?
Yes, of course, books can read.
They read your forehead, eyebrows,
the corners of your lips as they rise and fall,
but, first and foremost, books read your eyes.
And looking into your eyes, they see…
Well, you know what!

Kęstutis Kasparavičius
(Übersetzung Daina Valentinavičienė)

Lasst uns heute also alle etwas langsamer durch den Tag gehen. Wir Großen sollten uns von den langsamen Schritten der kleinen LeseEntdecker anstecken lassen und uns die nötige Zeit für die Beantwortung all der Fragen nehmen. Und den Kindern wünschen wir heute und an allen anderen Tagen im Jahr die Möglichkeit, sich aus Stapeln, Regalen oder Auslagen immer wieder ein Buch auszusuchen, um sich hinzusetzen und die Welt um sich herum für einen Moment anzuhalten.

Bücher helfen gegen Eile – und kleine LeseEntdecker gleich noch einmal mehr

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11/03/2019

Erich Kästner: Neue Wege zu einem bekannten Autor

Eigentlich wollten wir den 120. Geburtstag von Erich Kästner zum Anlass nehmen, um hier endlich auch einmal eines seiner Kinderbücher direkt vorzustellen. Dann sind wir bei unserer Recherche aber auf so viele spannende – uns noch gänzlich unbekannte – Details über sein Leben, Schaffen und sein Werk gestoßen, dass wir sie an dieser Stelle hier gern teilen möchten. Die Bücher sollen dabei aber natürlich trotzdem nicht zu kurz kommen – zumal der Atrium Verlag im letzten Jahr sämtliche seiner Titel mit einem neuen, weißen Gewand versehen und neu ausgestattet hat.

Denkmal zu Ehren Erich Kästners vor der Villa Augustin in Dresden, das den Schriftsteller als Heranwachsenden zu Besuch bei seinem Onkel Franz Augustin zeigt.

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2/04/2018

Im Buch ist das Kleine groß – Internationaler Kinderbuchtag 2018

Es gibt in der diesjährigen Botschaft zum Internationalen Kinderbuchtag jede Menge Passagen, die uns aus dem Herzen sprechen. Unter dem Motto „Im Buch ist das Kleine groß“  spricht die lettische Schriftstellerin Inese Zandere beispielsweise davon, wie Geschichten, Märchen oder Gedichte ein instinktives Bewusstsein dafür schaffen, dass Ordnung in der Welt möglich ist und dass jeder seinen bestimmten Platz in ihr hat. Die Wirkung des Buchs beschreibt sie als ein wohlgeordnetes Ganzes, in dem das Große sich im Kleinen zeigt.

Für uns ist das ein sehr wichtiger Gedankengang, der einmal mehr zeigt, wie wichtig Bücher für Kinder sind. Denn sie suchen noch nach einem Platz für sich, ihr Tun und ihr Denken auf dieser Welt – das Einordnen und Zurechtfinden passiert erst Stück für Stück. Mit Büchern an ihrer Seite gehen sie diesen Weg allerdings mit einem größeren Gefühl an Halt und Sicherheit.

Ein Kinderbuch hat die unfassbare Macht,

junge Menschen in ihrem Willen

und ihrer Fähigkeit zu leben zu bestärken.

Es fördert ihren Lebensmut.

Inese Zandere
(Übersetzung Carolin Farbmacher)

 

Internationaler Kinderbuchtag 2018

In Verbindung mit der bezaubernden Illustration des Künstlers Reinis Pētersons ist es Lettland in jedem Falle gelungen, die Bedeutung des heutigen Tages in Wort und Bild entsprechend darzustellen.

Ein Kinderbuch symbolisiert Respekt

für die Größe des Kleinen.

Inese Zandere
(Übersetzung Carolin Farbmacher)

Diese in unseren Augen bedeutendste Aussage der lettischen Botschaft findet sich sehr schön auch in den so mutigen und selbstbewusst gezeichneten Kindern der Illustration wieder. Und auch die folgenden Zeilen von Inese Zandere zeigen noch einmal vollkommen, welchen Wert Bücher für Kinder haben sollten.

In einem Buch ist das Kleine immer groß – und das sofort,

nicht erst, wenn man erwachsen ist.

Ein Buch ist etwas Geheimnisvolles,

das Unerwartetes oder Unerreichbares zugänglich macht.

Das, was Leser einer bestimmten Altersgruppe

noch nicht rational erfassen können,

hinterlässt Spuren in ihrem Bewusstsein und wirkt weiter,

auch wenn es noch nicht völlig verstanden wird.

 

Ein Bilderbuch kann auch für Erwachsene

eine Schatztruhe an Weisheit und Kultur sein,

genauso wie Kinder ein Buch lesen können,

das für Erwachsene bestimmt ist,

und darin ihre eigene Geschichte, einen Hinweis

auf ihr kommendes Leben, finden.

Inese Zandere
(Übersetzung Carolin Farbmacher)

 

Wunderbare und wichtige Worte, die hier auf der Seite auf keinen Fall fehlen sollen. Der gesamte Text der Autorin ist hier auch noch einmal komplett nachzulesen. Wir wünschen allen kleinen und großen LeseEntdeckern einen schönen Kinderbuchtag – genießt ihn und tragt die Botschaft weiter!

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30/03/2018

Frohe OStern

Wenn ein kleiner LeseEntdecker beim Lesen kurz inne hält und bemerkt, dass in “Ostern” ja das Wort “Stern” vorkomme, aufschaut und uns anstrahlt – dann wissen wir, hier beginnt gerade jemand Spaß an der Sprache zu haben.

Dann strahlen wir zurück und erkennen ganz deutlich, welchen Wert unser Tun hier bei den LeseEntdeckern und das vieler anderer Leseförderer und Literaturvermittler, Autoren, Illustratoren, Buchhändler und Verleger hat. Der Weg, den wir hier zukünftig weiter gehen möchten, erscheint uns dann ganz und gar klar.

In diesem Sinne wünschen wir allen schöne OStern!

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1/06/2017

Liebe! Niemals Gewalt!

1978 erhielt Astrid Lindgren als erste Kinderbuchautorin den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Damit wurde sie als eine Persönlichkeit geehrt, die “durch ihre literarische Tätigkeit in hervorragendem Maße zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat”. In ihrer im Anschluss gehaltenen Rede stand sie also vor der Aufgabe über Frieden, Menschlichkeit und über die Verständigung der Völker zu sprechen. Und genau das tat sie auch – allerdings auf ihre ganz eigene Art und Weise. Denn über Frieden zu sprechen, bedeutete für sie in erster Linie über die Kinder zu sprechen. Und nicht nur “über” sie, sondern “für” sie. Sie wollte ihnen eine Stimme geben und für sie eintreten.

Ihre damals gewählten Worte sind bis heute von enormer Wichtigkeit für die Rechte unserer Kinder im Speziellen und das gewaltfreie Zusammenleben in der Gesellschaft im Allgemeinen. Bisher konnte man sich ihre Rede nur in Auszügen anschauen oder als Textdatei herunterladen. Seit diesem Jahr allerdings gibt es ein kleines feines Büchlein, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um ihren Appell lebendig zu halten und weiter zu geben.

Obwohl fast vierzig Jahre vergangen sind und sich besonders in der Kindererziehung auch vieles verändert hat, sind Astrid Lindgrens Forderungen besonders heute aktueller denn je. Deswegen ist es uns auch wichtig die Aufmerksamkeit des heutigen Tages zu nutzen und dieses Buch ganz bewusst eben am Internationalen Kindertag in den EntdeckerKoffer einziehen zu lassen.

Niemals Gewalt! von Astrid Lindgren mit einem Vorwort von Dunja Hayali und einem Nachwort von Silke Weitendorf, übersetzt von Anna-Liese Kornitzky, erschienen im Friedrich Oetinger Verlag.

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Niemals Gewalt! © Friedrich Oetinger Verlag

Astrid Lindgren spricht von Frieden als etwas, das es nicht gibt. Und wolle man ihn eines Tages erreichen, so müsse man “von Grund auf neu beginnen – bei den Kindern”, so die Autorin. Und wie dieser Neuanfang auszusehen hat, das wusste sie auch ziemlich genau. Mit Liebe und Geborgenheit, aber niemals mit Gewalt. Nur wenn wir unseren Kindern mit Liebe begegnen, können aus ihnen auch Menschen werden, deren Grundhaltung durch Liebe geprägt ist. Und das wäre – so realistisch war auch sie – zumindest ein Anfang.

Gebt Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe.

 

Ein besonders berührender Teil ihrer Rede ist die kurze Erzählung über eine Mutter, die ihren Sohn mit Stockschlägen bestrafen will, durch seine Reaktion darauf die Situation aber auf einmal durch seine Augen betrachtet und so über sich selbst unendlich erschrickt. Und wie gut, dass Astrid Lindgren diese Erzählung in die sonst doch sehr klaren und direkten Worte eingewoben hat, denn so hat sie ein Bild in den Köpfen der Menschen erschaffen, das ihr Appell allein nicht zustande gebracht hätte. In diesem Zusammenhang möchten wir auch auf einen Kurzfilm aufmerksam machen, der genau diese Geschichte darzustellen versucht und somit Lindgrens Werte und Forderungen weiterträgt – in unsere heutige Gesellschaft, in der Gewalt viele verschiedene Gesichter hat. Ein sehr wichtiger Beitrag.

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Niemals Gewalt! im Kreise diverser Lindgren-Titel © Friedrich Oetinger Verlag

Auch Dunja Hayali geht in ihrem Vorwort auf diese Geschichte ein und erinnert daran, dass Lindgrens Rede einen Meilenstein für die Kinderrechte darstellt. Ihrem Text ist anzumerken, wie sehr sie das Erbe der Autorin wertschätzt und er stellt als Einstieg und Hinführung zu Lindgrens Rede einen sehr authentischen Bezug zu unserer heutigen Zeit her. Abgerundet ist das Büchlein mit dem Nachwort der Verlegerin Silke Weitendorf und gibt all denjenigen, die die Autorin Astrid Lindgren nur von ihren Kinderbüchern her kennen, einen Einblick in ihr Leben und ihr Wesen, was die Rede eindeutig noch besser verständlich macht.

Wir möchten dieses Büchlein an dieser Stelle von ganzem Herzen empfehlen, denn wir sind überzeugt davon, dass Astrid Lindgren vor 39 Jahren einen Weg aufgezeigt hat, der tatsächlich zu mehr Frieden und Nächstenliebe in unserer Welt führen könnte. Umso mehr Menschen sich diesen zu Herzen nehmen und den Kindern eine Kindheit in Liebe und Geborgenheit schenken, umso näher kommen wir dem Traum vom Frieden. Und auch wenn uns vieles gerade glauben lässt, dass wir davon sehr weit entfernt sind, so müssen wir dennoch daran festhalten. Astrid Lindgren hat das ein Leben lang getan und stets an das Gute geglaubt. Wie schön ist es da, dass der Verlag für den Umschlag des Buches die Farbe Grün gewählt hat – die Farbe der Hoffnung.

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24/02/2015

Vom Reichtum der Sprache – Andreas Steinhöfel in Dresden

Schon im November letzten Jahres hatte ich das Glück einem Vortrag von Andreas Steinhöfel lauschen zu können. Im Rahmen der Tagung „Literaturkritik unter der Lupe“ gewährte er unter dem Titel „Warme Herzen – eine Spurensuche“ einen Einblick in sein Schaffen, las aus unveröffentlichten Erzählungen und berichtete vom Entstehen seiner „Sonnenkinder“. Tief berührt war ich schon da von seinen besonderen Ausführungen.

Letzten Sonntag war er nun zu Gast in unserem schönen Dresdner Schauspielhaus. Dort hielt er im Rahmen der traditionsreichen Dresdner Reden ein Plädoyer für das Lesen und sprach über Entwicklungen unserer Sprach- und Lernkultur.

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Ein Sonntag Vormittag vor dem Schauspielhaus in Dresden.

Eine Lanze fürs Buch wolle er brechen – so begann Andreas Steinhöfel seine Rede vor dem vollbesetzten Saal. Doch anstelle daraufhin das Lesen und die Buchkultur auf einen hohen Sockel zu heben, sprach er erst einmal von den Anstrengungen, die das Lesen eben auch mit sich bringt und zählte Bewegründe auf, warum manche Menschen ihr Leben lang selten oder gar nicht zum Buch greifen und warum das für sie dann aber doch der richtige Weg sein kann. So viel Verständnis für etwas, was einem Autor eigentlich völlig fremd sein müsste, lässt erstaunen und macht ihn sehr sympathisch.

Und dann beginnt er damit die Lanze zu brechen – für das Buch und das textbasierte Lesen. Was ja im übertragenen Sinne nichts anderes bedeutet, als dem gedruckten Wort und der Literatur beizustehen und sich dafür einzusetzen – aber mit seinen Worten ist es dann eben doch viel mehr als das.

Lesen hat auch immer mit Emotionen zu tun und kann und sollte nie wirklich losgelöst davon passieren. Eine Tatsache, die wir vor allem unseren Kindern viel mehr ermöglichen – ja sogar zugestehen – sollten. Gelesenes verfestige sich viel besser, wenn es emotional begleitet wird, so Andreas Steinhöfel. Eine wichtige Erkenntnis, die Einzug in sämtliche Schulen unseres Landes halten sollte.

“Lesen bedeutet auch immer Spracherwerb.”

 

Unsere Sprache ist ein großer Reichtum, so Steinhöfel weiter. Ein Reichtum, den wir auch als solchen erkennen sollten – auch wenn wir ihn uns erst erarbeiten müssen. Das Gelesene überdenken – innehalten – wieder zurückblättern und dann erst verstehen. Ein Buch sei nie schnell und stehe somit im Gegensatz zur multimedialen Wissensvermittlung, die uns keine oder nur wenige Pausen lässt. Aber genau diese Pausen brauche es, um das Gelesene zu behalten und einen wirklichen Lerneffekt zu erzielen. Steinhöfel spricht von “Konzentration statt Zerstreuung” und davon, dass Lernen anstrengend sein muss, um nachhaltig zu sein.

“Wer sich nicht streckt, wird nicht erwachsen.”

 

Schnell vergangen ist die knappe Stunde seiner Rede und hat in vielerlei Hinsicht bereichert. Mitgenommen habe ich nicht nur zwei signierte Exemplare für den EntdeckerKoffer, sondern außerdem eine neue Sichtweise auf Literatur für all jene, die noch nicht erwachsen sind und sich noch strecken müssen. Danke Herr Steinhöfel!

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Für die LeseEntdecker signiert: “Glücksstadt” und “Anders”.

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