Zu Besuch beim Berliner Büchertisch

GesprächEndlich gibt es hier nun den ersten Beitrag unserer neuen Rubrik die LeseEntdecker im Gespräch. Dafür haben wir uns im Sommer auf den Weg in die Hauptstadt gemacht und uns da mit unseren ersten Interviewpartnern getroffen. Unter dem Motto LeseEntdecker gesucht! haben wir ihnen ein paar Fragen zu ihrer Arbeit und ihrer Begeisterung dafür gestellt. Immer wieder waren wir von dem besonderen Engagement und der Überzeugung beeindruckt, womit sich alle von ihnen für Kinderliteratur und/oder Leseförderung einsetzen. Die Ergebnisse wollen wir euch natürlich nicht länger vorenthalten und beginnen unsere Gesprächsreihe mit einer sehr sympathischen jungen Buchhändlerin, die sich gleich zwei Mal die Zeit genommen hat, um uns Rede und Antwort zu stehen. Mareike Schüßler – Buchhändlerin beim Berliner Büchertisch, wo LESEFÖRDERUNG groß geschrieben wird.

2014-10-09 12.04.47Der Berliner Büchertisch ist ein als Verein und Genossenschaft organisiertes Projekt rund ums Buch. Viele tolle Aktionen sowie der Betrieb von mittlerweile drei Buchhandlungen basieren auf der Grundidee Buchspenden von Privatleuten und Verlagen entgegen zu nehmen und auf unterschiedlichen Wegen an verschiedene Einrichtungen und Institutionen weiter zu geben.

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Entdeckt haben wir den Berliner Büchertisch erstmals bei unserer Suche nach besonderen Aktionen im Bereich Leseförderung. Wir sind auf das Projekt Berliner Lesetroll aufmerksam geworden und wollten unbedingt mehr darüber erfahren, um hier davon berichten zu können. Und so lernten wir Mareike kennen.

Bei unserem ersten Treffen mit ihr waren wir in der Büchertisch-Filiale am Mehringdamm verabredet. Die befindet sich etwas versteckt in einem der vielen Hinterhöfe der Straße, ist aber aufgrund einer Rikscha beladen mit VerschenkBüchern vor dem Hofzugang nicht zu verfehlen.

SONY DSCSONY DSCNachdem wir es uns in der Buchhandlung auf einem alten Sofa gemütlich gemacht und die vielen – fast bis zur Decke reichenden – Bücherregale bestaunt haben, beginnt uns Mareike davon zu erzählen, wie für sie alles angefangen hat – beim Berliner Büchertisch. Auslöser war nämlich auch ein solcher Bücher-Verschenkort, wie die Rikscha auf dem Mehringdamm. Die Idee gefiel ihr so gut, dass sie sich direkt um ein Praktikum bemühte, das dann auch klappte. Eine Ausbildung zur Buchhändlerin beim Berliner Büchertisch war die Folge und recht schnell stand für Mareike fest, dass sie gern in der Leseförderung tätig wäre. Und so kam es dann auch.

Sie betreut beim Berliner Büchertisch mehrere Leseförderungsprojekte. So zum Beispiel das Unterstützungsprojekt für Schulbibliotheken, bei dem deutschlandweit monatlich an die 400 Bücher aus Buchspenden von Privatleuten an Schulbibliotheken weitergegebene werden. Lehrer oder Schulbibliothekare können sich sogar mit konkreten Wünschen an Mareike und ihre Kollegen wenden und man versucht sich die gewünschten Titel für die Schule vorzumerken. „Alles kann natürlich nicht erfüllt werden, aber wir versuchen unser Möglichstes.“

Und dann kommen wir in unserem Gespräch auf den Berliner Lesetroll zu sprechen. Ein Projekt, das es unserer Meinung nach in viel mehr Städten geben sollte. Denn es ermöglicht jeweils allen Kindern einer Klasse oder Gruppe einen vollgepackten Bücher-Trolley für eine bestimmte Zeit mit zu sich nach Hause zu nehmen, um da in aller Ruhe und mit der ganzen Familie in 15-25 Büchern zu schmökern.

Gesponsert werden die Bücher in den Trolleys von Verlagen. Als Mareike uns mit auf einen kleinen Rundgang durch die Büchertisch-Räumlichkeiten am Mehringdamm nimmt, sehen wir die Lesetroll-Regale, in denen die Buchspenden nur so auf ihren Einsatz warten. Mitmachen können Schulen, Kindergärten, Mutter-Kind-Wohngemeinschaften oder aber auch Krankenhäuser. Nicht selten, so berichtet uns Mareike, kommen die Lehrer und Erzieher selbst zum Büchertisch, um die Bücher für ihre kleinen LeseEntdecker auszuwählen. In mehreren Übergabefesten werden die Trolleys dann feierlich an die Kinder übergeben.

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10438496_10152235857467776_3569542496458066217_nNicht ganz so feierlich – aber dafür mit jeder Menge Feedback – werden die Trolleys am Ende des Schuljahres dann von ein paar Kindern aus den Gruppen wieder beim Berliner Büchertisch abgegeben. Dann gilt es zu erzählen, was gefallen hat und was eher nicht. Wünsche für die nächste Runde werden geäußert und Lesetroll-Tagebücher abgeliefert. Sehr interessant für uns waren die Wünsche der Kinder, was zukünftig mehr in die Trolleys gepackt werden soll. Hörbücher, Spiele, Die ??? und mehrsprachige Kinderbücher waren die Antworten. Einen Einblicke in die Lesetagebücher der Kinder haben wir dann auch noch bekommen können. „Daraus machen wir irgendwann einmal eine Ausstellung.“ verriet uns Mareike noch. Ein kleiner Vorgeschmack schon einmal an dieser Stelle.

IMG_0075IMG_0032Dann haben wir natürlich noch über die sehr erfolgreiche Crowdfunding-Aktion für die neue Buchhandlung gesprochen, die es jetzt sogar auf die Shortlist des Virenschleuderpreises 2014 geschafft hat.

Das Ergebnis der Aktion konnten wir bei einem zweiten Treffen mit Mareike dann sogar schon bestaunen. Seit Juni ist der Berliner Büchertisch nämlich auch auf der Wühlischstraße in Berlin-Friedrichshain zu finden – ein mit viel Liebe hergerichteter Buchladen, der schon von außen neugierig macht und zum Verweilen einlädt.

SONY DSCSONY DSCSONY DSCMareike erzählt uns von den Schwierigkeiten bei der Ladensuche – eigentlich wollten sie mit einer neuen Filiale gern nach Neukölln oder Wedding. Aber da hätten sie noch länger suchen müssen und mit den neuen Räumlichkeiten, so erfahren wir, ist das Team jetzt dann doch recht glücklich. Viel Arbeit war es, aber es hat sich gelohnt – von hier aus können nun noch mehr Leseförderungsaktionen gestartet werden. Kooperationen mit Schulen aus Neukölln, Lichtenberg und im neuen Kiez sind bereits geplant. Der eigene Leseclub startet in diesen Tagen und von Zeit zu Zeit soll es auch immer mal wieder ein Lesefest geben. Eine Grusellesung im furchteinflößenden Keller unter dem Laden gab es bereits und wurde gut angenommen.

SONY DSCSONY DSCSONY DSCDer Kinderbuchbereich im neuen Laden ist besonders umfangreich und ein Fokus wird hier auf mehrsprachige Bücher gelegt. Wir erfahren, dass es aber zum Teil sehr schwierig ist an solche Buchspenden heranzukommen – selbst fremdsprachige Kinderbücher sind selten. Aber die Nachfrage zeigt, dass dieser Bereich unbedingt weiter ausgebaut werden sollte.

SONY DSCAm Ende stellen wir Mareike dann noch die obligatorische letzte LeseEntdeckerFrage nach ihren drei liebsten Kinder- und Jugendbüchern, die ihrer Meinung nach nicht im EntdeckerKoffer fehlen sollten. Hier noch ihre Auswahl:

Wo ist mein Hut von Jon Klassen

Igraine Ohnefurcht von Cornelia Funke

Die Mitte der Welt von Andreas Steinhöfel

Wir danken Mareike an dieser Stelle für den unheimlich interessanten Einblick in ihre Arbeit und drücken ihr und dem gesamten Büchertisch-Team heute Abend bei der Verleihung des Virenschleuderpreises auf der Frankfurter Buchmesse feste die Daumen.

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