Große Bühne für Elfrid und Mila

Für die Vorweihnachtszeit haben wir uns dieses Jahr die LeseEntdecker Glanzlichter ausgedacht. Sie mischen sich immer einmal wieder unter unsere gewohnten Besprechungen und Beiträge und sollen hier für ein wenig Weihnachtsglanz sorgen.

GlanzlichterBeginnen möchten wir mit einem Einblick in die weihnachtliche Theater-Inszenierung von Elfrid & Mila, die wir vor kurzem am tjg Dresden besuchen durften. Ein großes Erlebnis für Klein und Groß auf Grundlage einer sehr amüsanten Buchvorlage aus Schweden.

Elfrid & Mila – Das Weihnachtswichtelwunder von Pernilla Oljelund, übersetzt von Birgitta Kicherer und illustriert von Susanne Göhlich, erschienen im Gerstenberg Verlag. Am Theater der jungen Generation Dresden unter dem Titel Elfrid, Mila und das Wunschzettelwunder in einer Fassung von Kathi Loch uraufgeführt.

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Elfrid & Mila – Das Weihnachtswichtelwunder © Gerstenberg Verlag, Illustrationen: Susanne Göhlich

Wenn sich in der Vorweihnachtszeit ein Wunschzettel an den Weihnachtsmann auf den Weg macht, dann hat das sehr viel mit wahrem Glauben zu tun. Wahr in dem Sinne, weil er rein kindlicher Natur ist. Die kleinen Absender verfügen noch über diese uneingeschränkte Fantasie, wie man sie nur in der Kindheit hat. Sie glauben fest daran, dass ihr Brief auch tatsächlich beim Weihnachtsmann ankommt. Ein großes Glück für die vielen Gehilfen des Weihnachtsmannes – die Wichtel. Nur so ist es ihnen überhaupt möglich einen Überblick über all die Wünsche der vielen Kinder zu bekommen.

Doch was passiert, wenn der Glaube zu bröckeln beginnt? Wenn die Kinder anfangen zu hinterfragen und schließlich den Wunschzettel nur noch für die Eltern schreiben? Ja dann sorgen die Wichtel eben selbst dafür, dass der Wunschzettel den richtigen Weg findet. Schließlich gilt es den kleinen Zweiflern zu beweisen, dass sie weiterhin an ihrem Glauben und vor allem an ihrer Fantasie festhalten sollten.

So kommt es auch, dass Milas Wunschzettel, den sie eigentlich ganz demonstrativ auf ihrem Schreibtisch für ihre Mutter platziert hat, vom Nordwind davon getragen wird und so direkt in der Wunschzettel-Auftragsabteilung am Nordpol landet.

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Innenseite aus: Elfrid & Mila – Das Weihnachtswichtelwunder © Gerstenberg Verlag, Illustrationen: Susanne Göhlich

Doch fangen wir noch einmal von vorn an. Wir sitzen also auf den roten Klappsesseln im Theater und blättern noch kurz in der Buchvorlage – der Saal ist voll besetzt mit mehreren Schulklassen. Der Lärmpegel ist erstaunlich und das bunte Treiben um uns herum sehr unterhaltsam. Bis das erste Mal das Klingeln ertönt – ab diesem Moment sitzen die meisten Kinder auf ihren Plätzen und warten gespannt auf das Stück.

Nach dem dritten Klingeln geht es dann endlich los. Das Licht im Saal geht aus und wir sehen Mila in ihrem Zimmer. Sie ist gerade dabei all ihre Weihnachtswünsche aufzuzählen. Nicht gerade wenige sind das – locker könnte sie damit einen Wunschzettel in A4 füllen. Da kommt ihre Mutter ganz aufgeregt ins Zimmer – in den Armen ein Paket. In dem Paket ein frisch gedrucktes Exemplar ihres ersten Buches, denn Milas Mutter, so erfahren wir im Stück, ist Kinderbuchautorin und Mila ihre Muse. Eine Erweiterung zum Buch, die uns ganz besonders gut gefällt.

“Muse Muse – Pampelmuse!”

(Zitat aus der tjg-Inszenierung)

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Mila und Mama aus: Mila & Elfrid – Das Wunschzettelwunder, Inszenierung tjg Dresden, Foto: Dorit Günter

Die Freude ist groß – Mutter und Tochter träumen von vielen weiteren Büchern und einer erfolgreichen Autorenlaufbahn. Bei all diesem Überschwang platzt Milas Mutter dann aber mit einer weiteren Neuigkeit heraus, die sich um einen netten Mann dreht, den sie kennengelernt hat. Klas sein Name. Sie schwärmt regelrecht von ihm. Mila versteht das alles erst nicht richtig oder sagen wir, will es nicht verstehen. Skeptisch fragt sie nach. Bei den Worten “verliebt” und “heiraten” gibt es im Saal ein ordentliches Gekicher.

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Innenseite aus: Elfrid & Mila – Das Weihnachtswichtelwunder © Gerstenberg Verlag, Illustrationen: Susanne Göhlich

Es dauert nicht lang und bei Mila läuten die Alarmglocken. Sie sieht ihr wunderschönes Weihnachtsfest, das sie schon immer nur mit ihrer Mutter verbracht hat, in Gefahr. Auf keine Beschwichtigungsversuche ihrer Mutter lässt sie sich ein – für sie steht fest, ein richtiges Weihnachten kann es nur geben, wenn alles so bleibt wie immer. Und um dem richtig Ausdruck zu verleihen, schreibt sie einen Wunschzettel und wünscht sich ein richtiges Weihnachten. Alle anderen Wünsche scheinen vergessen. Am Ende des ersten Auftritts geht Mila ins Bett und es wird dunkel. Nur auf den Schreibtisch, wo Milas Wunschzettel liegt, strahlt noch ein einzelner Spot. Dank seinem Lichtstrahl werden wir Zeuge davon, wie sich der Zettel auf den Weg gen Nordpol macht – davon getragen vom Nordwind.

“Pling! macht es, als Milas Wunschzettel in die
Auftragsabteilung am Nordpol hereingeweht wurde.”

(Zitat aus der Buchvorlage)

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Innenseite aus: Elfrid & Mila – Das Weihnachtswichtelwunder © Gerstenberg Verlag, Illustrationen: Susanne Göhlich

Als die Bühnenbeleuchtung wieder angeht, strahlen die Augen der Kinder um uns – unsere übrigens auch. Denn über Milas Zimmer, das nach wie vor im Dunkeln liegt, offenbaren sich die Räumlichkeiten des Weihnachtsmannes am Nordpol. Der Oberste Auftragswichtel steht hinter der Wunschzettel-Auffangmaschine und ordnet die eingehenden Wunschzettel den Wichteln zu, die dann für die Erfüllung der Wünsche sorgen sollen. Kurz vor Weihnachten sind aber fast alle von ihnen vollkommen ausgelastet. Alle – außer der Wichtelin Elfrid Nilsson.

“Elfrid war erschöpft. Sie hatte den ganzen Tag damit verbracht,
sich vor der Arbeit zu drücken, und das zehrte an den Kräften.”

(Zitat aus der Buchvorlage)

Und so kommt es, wie es kommen muss. Elfrid – die wahrscheinlich faulste Wichtelin des Weihnachtsmannes, bekommt Milas Wunschzettel ausgehändigt und wird vom Weihnachtsmann höchstpersönlich dazu verdonnert, sich auf den Weg zu den Menschen zu machen und Milas Wunsch zu erfüllen. Trotz Widerworte und so einigen Ausreden bleibt ihr am Ende nichts anderes übrig, als diesen Weg auch anzutreten. Allerdings nicht ohne zuvor noch für ein wenig Reise-Erleichterung zu sorgen. Sie vergreift sich heimlich am streng verbotenen Zeitraumpulver des Weihnachtsmannes, das sie im Handumdrehen in Milas Zimmer zaubern kann.

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Mila, Elfrid und das Zeitraumpulver aus: Mila & Elfrid – Das Wunschzettelwunder, Inszenierung tjg Dresden, Foto: Dorit Günter

Das begeisterte und langgezogene “Ohh” der Kinder im Theater, als das Zeitraumpulver zum ersten Mal zum Einsatz kommt, hat in besonderem Maße zu unserem Theatererlebnis beigetragen. Da haben sich die Verantwortlichen für Bühne und Effekte wirklich etwas ganz tolles ausgedacht. Das Hin- und Herreisen zwischen den Zeiten wird im Stück nämlich von besonders beeindruckenden Effekten begleitet. Erst eine musikalische Ankündigung, dann ordentliches Pfeifen und Knallen und schließlich sprühende Funken. Es folgt die erste Begegnung von Elfrid und Mila und schon bald kann man sich den witzigen Dialogen der beiden nicht mehr entziehen. Erst ist es ein ziemlicher Schlagabtausch. Mila glaubt ja eigentlich schon gar nicht mehr an den Weihnachtsmann. Erst recht nicht, wenn er ihr eine so fusselige und faule Wichtelin schickt – da kann es sich ihrer Ansicht nach nur um eine Verrückte handeln. Elfrid hingegen ist von alle dem eigentlich nur genervt, bedauert sich selbst und erfindet eine Notlüge nach der nächsten. Wie soll sie es nur anstellen, diesen merkwürdigen Wunsch zu erfüllen?

“Elfrid seufzte. Immer musste sie Pech haben.
Ein ungewöhnlich verworrener Wunsch. Und ein ungewöhnlich
schwieriges, nicht besonders schlaues Menschenkind.
Das konnte nur eins bedeuten.
Ungewöhnlich viel Arbeit – für Elfrid.”

(Zitat aus der Buchvorlage)

Doch das gemeinsame Ziel den Wunsch zu erfüllen, lässt Elfrid und Mila dann doch zusammen einen Plan fassen und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Klas muss wieder verschwinden – das steht fest. Der Weg dorthin ist aber schwerer als gedacht und so geraten die beiden in ein turbulentes Hin und Her zwischen den Welten.

Es entsteht ein gehöriges Durcheinander mit jeder Menge Ärger – aber ebenso eine enge Beziehung zwischen Wichtelin und Menschenkind. So nennt Mila Elfrid zum Beispiel irgendwann ganz liebevoll “Quatschkopf” und besorgt ihr Süßigkeiten, weil Elfrid dafür eine Vorliebe in der Menschenwelt entdeckt hat. Und auch die schmuddelige kleine Wichtelin schließt Mila zusehends ins Herz und möchte ihr wahrhaftig den ungewöhnlichen Wunsch erfüllen.

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Innenseite aus: Elfrid & Mila – Das Weihnachtswichtelwunder © Gerstenberg Verlag, Illustrationen: Susanne Göhlich

Viel  Spaß hat es gemacht Elfrid und Mila auf ihrer Reise durch die Vorweihnachtszeit zu begleiten. Das Buch zu erleben, ihnen in lustigen wie auch gefährlichen Situationen beizustehen und darüber hinaus neue Ideen und Sichtweisen zu entdecken. So erfährt man im Theater während Milas Besuch am Nordpol beispielsweise, dass die Spielzeugproduktion dort outgesourct wurde, um Platz für die wirklich wichtigen Wünsche zu machen. Ein sehr schöner Gedanke, wie wir finden.

“Hier kümmern wir uns nur noch um die Herzenswünsche.”

(Zitat aus der tjg-Inszenierung)

 

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Innenseite aus: Elfrid & Mila – Das Weihnachtswichtelwunder © Gerstenberg Verlag, Illustrationen: Susanne Göhlich

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Mila am Nordpol aus: Mila & Elfrid – Das Wunschzettelwunder, Inszenierung tjg Dresden, Foto: Dorit Günter

Elfrid & Mila – Das Wunschzettelwunder begeistert in erster Linie durch das sehr gelungene Zusammenspiel von Bühnenbild, Kostümen und Musik. Dadurch wird ein unheimlich erlebnisreicher Rahmen geschaffen, der dieser außergewöhnlichen Weihnachtsgeschichte mehr als gerecht wird. Die Schauspieler füllen diesen Rahmen mit ihrer authentischen Übersetzung der zum Teil sehr eigenwilligen Figuren. Sie erwecken sie zum Leben und machen die Geschichte erlebbar. Und genau deswegen gehen wir auch so gern in Theaterinszenierungen, die auf einer Buchvorlage beruhen.

Die kleinen LeseEntdecker um uns haben dieses Erlebnis auf jeden Fall auch als solches gesehen. Es wurde viel gelacht, mitgefiebert und mit dem Platznachbarn gemutmaßt, wo wohl bloß immer die tollen Böller gezündet werden. Ab und zu haben wir die Kinder auch Textauszüge flüstern hören, bevor sie auf der Bühne an der Reihe waren. Über so viel Textsicherheit mussten wir nur staunen.

Am Ende wurde von den Kindern dann noch eine Zugabe gefordert – erstaunlich nach fast 2 Stunden still sitzen. Aber auch wir hätten nichts dagegen gehabt, das Stück noch ein zweites Mal anzuschauen. Großes Theater für kleine Leute hat man uns hier geboten – die Weihnachtszeit kann kommen.

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Weihnachtsabend aus: Mila & Elfrid – Das Wunschzettelwunder, Inszenierung tjg Dresden, Foto: Dorit Günter

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Richtige Weihnachten für Mila aus: Mila & Elfrid – Das Wunschzettelwunder, Inszenierung tjg Dresden, Foto: Dorit Günter

 

 

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